Grundlast verstehen: So findest Du das passende Balkonkraftwerk mit oder ohne Speicher
Wer ein Balkonkraftwerk kaufen möchte, schaut oft zuerst auf die Wattzahl der Solarpanels oder auf die Größe eines möglichen Speichers. Viel wichtiger ist aber eine andere Frage: Wie hoch ist eigentlich der dauerhafte Stromverbrauch in Deinem Haushalt? Genau hier kommt die Grundlast ins Spiel. Sie ist einer der wichtigsten Werte, wenn es darum geht, ein Balkonkraftwerk sinnvoll zu dimensionieren und die passende Speichergröße auszuwählen. In diesem Beitrag erklären wir Dir verständlich, was die Grundlast ist, wie Du sie selbst ermitteln kannst und wie Du daraus ableitest, welches Balkonkraftwerk mit oder ohne Speicher zu Deinem Haushalt passt.
Inhalt:
- Was ist die Grundlast?
- Warum die Grundlast für Balkonkraftwerke so wichtig ist
- Wie Du die Grundlast selbst ermittelst
- Rechenbeispiel für die Grundlast
- Wann ein Speicher Sinn macht
- Wann ein Speicher weniger sinnvoll ist
- Was Panelanzahl und Platzangebot damit zu tun haben
- Welche Speichergröße passt zu welcher Grundlast?
- Rechner für die Grundlast
- Fazit
Was ist die Grundlast?
Die Grundlast ist der Stromverbrauch, der in Deinem Haushalt dauerhaft anfällt – also auch dann, wenn gerade niemand aktiv Strom nutzt. Typische Verbraucher für die Grundlast sind Kühlschrank, Router, Gefrierschrank, Heizungssteuerung, Standby-Geräte, Ladegeräte oder andere elektrische Geräte, die rund um die Uhr oder regelmäßig im Hintergrund laufen.
Einfach gesagt: Die Grundlast ist der Strombedarf, der immer da ist. Sie beschreibt also nicht den Verbrauch von Backofen, Wasserkocher oder Waschmaschine während der Nutzung, sondern genau den Teil Deines Stromverbrauchs, der auch nachts oder in Abwesenheit bestehen bleibt.
Für die Auswahl eines Balkonkraftwerks ist dieser Wert enorm wichtig. Denn die Grundlast hilft Dir dabei, die passende Kombination aus Solarpanel-Leistung und Speichergröße zu finden.
Warum die Grundlast für Balkonkraftwerke so wichtig ist
Ein Balkonkraftwerk lohnt sich immer dann, wenn der erzeugte Strom direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird oder sinnvoll zwischengespeichert werden kann. Genau deshalb ist die Grundlast so wichtig: Sie zeigt, wie viel Strom dauerhaft benötigt wird und wie gut sich der erzeugte Solarstrom im Alltag nutzen lässt.
Grundsätzlich lohnt sich ein Speicher in sehr vielen Fällen. Gerade wenn mehr als zwei Solarpanels installiert werden können, ist ein Speicher fast immer sinnvoll. Der Grund ist einfach: In Deutschland dürfen Balkonkraftwerke maximal 800 Watt einspeisen. Sobald aber 3 oder 4 leistungsstarke Solarpanels montiert sind, entstehen in guten Sonnenstunden schnell deutlich höhere Leistungen. Dieser Überertrag muss dann gepuffert werden, sonst geht er verloren.
Damit wird klar: Die Grundlast entscheidet nicht allein darüber, ob ein Speicher sinnvoll ist. Sie hilft vor allem dabei, die passende Speichergröße auszuwählen. Die Frage ist also weniger „Speicher ja oder nein?“, sondern eher „Wie groß sollte der Speicher sein, damit er sinnvoll zu meinem Haushalt passt?“
Wie Du die Grundlast selbst ermittelst
Die Grundlast kannst Du ganz einfach selbst berechnen. Dazu brauchst Du keinen Elektriker und auch kein spezielles Messgerät. Alles, was Du brauchst, ist Dein Stromzähler und zwei Zählerstände.
So gehst Du vor:
- Notiere Dir abends vor dem Schlafengehen den aktuellen Zählerstand.
- Notiere Dir am nächsten Morgen direkt nach dem Aufstehen erneut den Zählerstand.
- Berechne die Differenz zwischen beiden Werten in kWh.
- Teile diese Differenz durch die Anzahl der Stunden, die dazwischen liegen.
Wichtig ist dabei, dass während der Messung möglichst keine außergewöhnlichen Verbraucher laufen. Ideal ist also eine Nacht, in der keine Waschmaschine, kein Trockner und kein Geschirrspüler aktiv sind. So bekommst Du einen möglichst realistischen Wert für den dauerhaften Grundverbrauch Deines Haushalts.
Rechenbeispiel für die Grundlast
Nehmen wir an, Dein Stromzähler zeigt abends um 23:00 Uhr einen Stand von 5.240,0 kWh an. Am nächsten Morgen um 7:00 Uhr liegt der Zählerstand bei 5.241,2 kWh. Die Differenz beträgt also 1,2 kWh über 8 Stunden.
Die Rechnung lautet:
1,2 kWh ÷ 8 Stunden = 0,15 kWh pro Stunde
0,15 kWh × 1000 = 150 Watt Grundlast
Das bedeutet: Dein Haushalt hat nachts im Durchschnitt eine Grundlast von 150 Watt. Dieser Wert ist nun die Grundlage dafür, die passende Speichergröße und die sinnvolle Anzahl der Solarpanels auszuwählen.
Wann ein Speicher Sinn macht
Grundsätzlich lohnt sich ein Speicher in etwa 90 Prozent der Fälle. Der Grund ist einfach: Solarstrom fällt tagsüber an, ein großer Teil des Stromverbrauchs aber am Abend und in der Nacht. Genau hier spielt ein Speicher seine Stärke aus. Er nimmt den tagsüber erzeugten Strom auf und gibt ihn später wieder ab.
Besonders sinnvoll wird ein Speicher, wenn mehr als zwei Solarpanels installiert werden können. Denn bei 3 oder 4 Panels entsteht tagsüber schnell ein Überschuss von 800 bis 1200 Watt, der nicht direkt ins Hausnetz eingespeist werden darf. Da die Einspeisung auf 800 Watt begrenzt ist, muss dieser Mehrertrag gepuffert werden. Ohne Speicher würde dieser Strom ungenutzt verloren gehen.
Ein Speicher macht also immer dann besonders viel Sinn, wenn:
- genügend Platz für 3 oder 4 Solarpanels vorhanden ist
- tagsüber mehr Strom erzeugt wird, als direkt verbraucht werden kann
- der Abend- und Nachtverbrauch durch eine Speicherladung gedeckt werden soll
Das Ziel ist dabei einfach: Eine Akkuladung soll im Idealfall grob über den Daumen den Verbrauch eines kompletten Abends und der anschließenden Nacht abdecken – bis am nächsten Morgen die Solarpanels wieder Strom produzieren.
Wann ein Speicher weniger sinnvoll ist
Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Speicher nicht die beste Wahl ist oder zumindest kleiner gedacht werden sollte. Ein typisches Beispiel ist ein Haushalt mit sehr hoher Grundlast und gleichzeitig sehr wenig Platz für Solarpanels.
Wenn Du nur Platz für maximal zwei Panels hast und gleichzeitig eine Grundlast von über 500 bis 600 Watt im Haushalt besteht, dann macht ein Speicher oft wenig Sinn. Warum? Weil in diesem Fall der Großteil des erzeugten Stroms ohnehin direkt wieder verbraucht oder eingespeist wird. Das kleine Balkonkraftwerk kann gar nicht genug Überschuss erzeugen, um einen Speicher sinnvoll zu laden.
Hier ist es häufig sinnvoller, ein klassisches Balkonkraftwerk ohne großen Speicher zu betreiben oder den Fokus auf möglichst leistungsstarke Solarpanels zu legen. Denn bei hoher Dauerlast wird der erzeugte Strom direkt benötigt – da bleibt kaum Energie übrig, die überhaupt gepuffert werden könnte.
Was Panelanzahl und Platzangebot damit zu tun haben
Das Platzangebot ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung. Es reicht also nicht, nur die Grundlast zu kennen. Du musst auch wissen, wie viele Solarpanels Du sinnvoll installieren kannst.
Bei zwei Panels mit zusammen etwa 800 bis 1000 Wp ist der Ertrag an vielen Tagen so begrenzt, dass ein Speicher zwar sinnvoll ist, aber nicht immer zwingend notwendig ist. Vieles hängt dann davon ab, wie Deine Grundlast aussieht und wie viel Strom abends oder nachts noch benötigt wird.
Sobald Du aber 3 oder 4 Panels installieren kannst, wird ein Speicher praktisch zur logischen Ergänzung. Denn die Solarpanels liefern dann an sonnigen Tagen deutlich mehr Energie, als direkt mit den erlaubten 800 Watt eingespeist werden darf. Genau deshalb lohnt sich bei größeren Balkonkraftwerken fast immer auch ein Speicher.
Welche Speichergröße passt zu welcher Grundlast?
Wenn die Grundlast bekannt ist, lässt sich auch die passende Speichergröße deutlich besser einschätzen. Als grobe Faustregel gilt:
- Bei einer Grundlast zwischen 50 und 150 Watt eignet sich ein Speicher mit 1,92 kWh sehr gut.
- Bei höheren Grundlasten ist ein Speicher mit 3,84 kWh oft die bessere Wahl.
Diese Einteilung ist bewusst praxisnah gehalten. Denn die Idee ist nicht, jede Wattstunde mathematisch perfekt zu berechnen, sondern eine Speichergröße zu wählen, mit der eine Ladung grob für den Abend und die Nacht ausreicht.
Beispiel:
Bei einer Grundlast von 100 Watt über 12 Stunden ergibt sich ein Bedarf von 1,2 kWh. Ein Speicher mit 1,92 kWh passt hier sehr gut.
Bei einer Grundlast von 220 Watt über 12 Stunden ergibt sich bereits ein Bedarf von 2,64 kWh. Hier ist ein Speicher mit 3,84 kWh deutlich sinnvoller.
Natürlich spielen dabei auch weitere Faktoren wie Ladeverluste, Wetter, Ausrichtung der Panels und saisonale Unterschiede eine Rolle. Für die grobe Dimensionierung ist diese Einteilung aber sehr hilfreich.
Rechner für die Grundlast
Um die Grundlast zu ermitteln, haben wir unseren praktischen Rechner eingebunden. Du gibst einfach den ersten Zählerstand, den zweiten Zählerstand und die Stunden dazwischen ein. Als Ergebnis erhältst Du die Grundlast in Watt.
Die Formel dahinter ist einfach:
(Zählerstand morgens – Zählerstand abends) ÷ Stunden × 1000 = Grundlast in Watt
Grundlastrechner
Ermittle deine durchschnittliche Grundlast in Watt anhand von zwei Zählerständen und dem Zeitraum dazwischen.
Deine Grundlast
– W
Gib deine Werte ein und starte die Berechnung.
Mit diesem Wert kannst Du anschließend deutlich gezielter entscheiden, welches Balkonkraftwerk und welche Speichergröße zu Deinem Haushalt passen.
Fazit
Die Grundlast ist einer der wichtigsten Werte bei der Auswahl eines Balkonkraftwerks. Sie zeigt Dir, wie viel Strom Dein Haushalt dauerhaft benötigt und hilft Dir dabei, die passende Kombination aus Solarpanels und Speicher zu finden.
Grundsätzlich lohnt sich ein Speicher in den meisten Fällen. Vor allem dann, wenn mehr als zwei Solarpanels installiert werden können, ist er fast immer sinnvoll, weil der Überschuss oberhalb von 800 Watt sonst nicht genutzt werden kann. Nur bei sehr wenig Platz und gleichzeitig sehr hoher Grundlast kann ein Speicher weniger sinnvoll sein.
Als einfache Faustregel gilt: Bei 50 bis 150 Watt Grundlast passt oft ein Speicher mit 1,92 kWh. Bei höheren Lasten ist ein Speicher mit 3,84 kWh die bessere Wahl. Wer seine Grundlast kennt, trifft also nicht nach Bauchgefühl die Entscheidung, sondern auf Basis realer Verbrauchsdaten.